Das Ultimative Bourne Erlebnis - EIN MUSS.... TOP
Erstellt: 15.01.08
Nach wie vor jagt Jason Bourne, dessen Gedächtnislücken sich im Laufe der Ermittlungen zunehmend schließen, seiner Identität hinterher. Die Schnitzeljagd zwischen konkurrierenden Geheimdiensten, gedungenen Mördern und die Fronten wechselnden, plötzlich zu Verbündeten Bournes mutierenden Widersachern führt den verbissenen Killer wider Willen von Moskau über London, Madrid, Tanger nach New York. Dort, in einem schmucklosen Bau, deckt er in einem als Krankenhaus getarnten Ausbildungszentrum das Geheimnis hinter Treadstone und dem Nachfolgeprojekt Blackbriar sowie seine wahre Herkunft auf.
Einmal mehr gelingt diesem Streifen das in Zeiten von normal gewordenen Überlängen seltene Kunststück, dass der Zuschauer bei den ersten Klängen von Moby's "Extreme Ways" - das mit einer ungewöhnlichen, eine Fortsetzung offen lassenden Einstellung wohliges Schaudern hervorruft und den Abspann einleitet - ungläubig auf die Uhr blickt. Rasanter sind knapp zwei Stunden im laufenden Kinojahr nicht oft verflogen.Anfangs ist die dokumentarische Wirkung erzeugende Wackeloptik (Berserker hinter der Kamera: Oliver Wood), mittlerweile Signum des britischen Regisseurs Paul Greengrass (DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG, FLUG 93), äußerst gewöhnungsbedürftig und könnte bei sensiblen Gemütern Schwindelgefühle zur Folge haben. Jedenfalls wäre wünschenswert, dass diese Form der Fotografie nicht Schule macht, andernfalls ist zukünftig die Einnahme von Pillen gegen Seekrankheit notwendiges Ritual vor dem Kinobesuch. Doch spätestens nach Bournes Besuch beim Bruder der in Teil 2 ermordeten Marie (überflüssige Szene mit Sekundenauftritt Daniel Brühls) und der sich anschließenden irrwitzigen, packend gefilmten, eine gefühlte halbe Stunde dauernden Hatz durch enge Gassen und über die Dächer von Tanger krallt sich auch der Letzte in die Armlehne. Von da an lässt einen das Geschehen nicht mehr los und Sympath Matt Damon, der beinharte, schmerzhaft-realistische Mann-gegen-Mann-Fights, dynamisch eingefangene Verfolgungen per Pedes, Motorrad oder Auto und Stürze durch und aus meist geschlossenen Fenstern durch- und überlebt, weiß unzählige Daumen gedrückt. Die Intensität und der Einfallsreichtum der Actionszenen haben gegenüber dem Vorgänger unglaublicherweise erneut einen Zacken zugelegt. Bournes Kniff, seinen Häschern vom Dach eines Parkhauses zu entkommen, könnte jeden Bond-Film adeln.Neben der monochromen Optik, die überwiegend aus extremen Nahaufnahmen oder diffus durch Sichtsperren gedrehten Einstellungen entsteht, trägt zum Kreieren der schweißtreibenden, beinahe greifbaren Atmosphäre John Powells treibender Score bei. Der talentierte Komponist (MR. & MRS. SMITH, X-MEN - DER LETZTE WIDERSTAND) lässt - genau auf den Höhepunkt einer Szene hinwirkend - die von Drums dominierten Harmonien unerbittlich und bis zur akustischen Erschöpfung anschwellen. Wenn dafür kein Oscar fällig wird, ist die Kompetenz der Academy in Zweifel zu ziehen. Wenn man ehrlich sein will, muss man zugeben, dass die Auflösung des über drei Episoden aufgebauten Spannungsmomentes - der tragische Grund für Bournes Gedächtnisverlust - weniger spektakulär ausfällt als erwartet. Aber das ist völlig egal! Dafür haben engagiert aufspielende, bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend besetzte Akteure das Publikum bis zur letzten Minute mitgerissen.
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